Teile deine persönliche Weihnachtsgeschichte

Wir alle haben Prägungen aus unserer Kindheit und gerade an Weihnachten kommen bei vielen wieder alte Gefühle und Erinnerungen hoch.

 

Wie ist deine Erfahrung mit Weihnachten?

Was ist deine schlimmste, schönste oder auch lustigste Erfahrung?

Wenn du magst kannst du deine Geschichte hier teilen.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Valentin (Mittwoch, 26 Dezember 2018 16:52)

    Eine Erfahrung aus meiner Kindheit und Jugend war, dass regelmäßig an Weihnachten die unterschwelligen Konflikte zum Ausbruch kamen, die das ganze Jahr über nur unter dem Tisch gehalten werden konnten, weil wir uns größtenteils aus dem Weg gegangen waren.
    Wir, dass waren in diesem Fall vor allem mein Stiefvater, der nach seiner Arbeit bei Ford in seiner Werkstatt verschwand und ich, der in jeder freien Minute auf der Straße Fußball spielte. Heilig Abend aber mussten wir mit dem Anspruch von Liebe und Frieden zusammen sein, was in etwa den Effekt hatte, als würden wir unter einem schon unter großem Druck stehenden Topf noch ein Feuer entfachen und gleichzeitig versuchen den Deckel abzudichten.

    Es gab bei mir zuhause (so gut wie) keine körperliche Gewalt und trotzdem erlebte ich die Stimmung immer wieder als körperlichen Schmerz.

    Auch im Alltag konnte ich meinem Stiefvater nicht immer aus dem Weg gehen. Bei den gemeinsamen Mahlzeiten saßen wir alle am Küchentisch, mein Stiefvater, meine Mutter, ich und mein zweieinhalb Jahre jüngerer Bruder sowie der gleichaltrige Stiefbruder. Wenn mein Stiefvater sich über irgendetwas geärgert hatte (was häufiger vorkam), saß er mit versteinertem Gesicht auf der Stirnseite des Tisches und redete mit keinem mehr.
    Meine Mutter versuchte wiederum einfach zu ignorieren, dass etwas nicht in Ordnung war, oder aktiv davon abzulenken. Ab und zu (ein paar Male im Jahr) explodierte mein Stiefvater auch plötzlich, schlug mit der Faust auf den Tisch und brüllte jemanden oder die Welt im Allgemeinen an.

    Einmal, nachdem er wieder (für mich ohne jegliche Ankündigung) auf den Tisch geschlagen und meinen Stiefbruder angebrüllt hatte, lief ich aus der Küche und schlug die Türe so fest es ging zu (ein Wunder, dass dabei nichts kaputt ging!). Ich lief in mein Zimmer und nahm dort mein Klappmesser in die Hand um es meinem Stiefvater in den Bauch zu rammen, sollte er hinter mir her kommen, weil ich die Türe so zugeschlagen hatte. Zum großen Glück kam er nicht!

    Ab meinem 14 Geburtstag verbrachte ich Weihnachten dann nicht mehr zuhause. In den ersten Jahren schaffte ich es, mich bei Freunden einzuladen und später war ich an den Feiertagen mit meinen Partnerinnen bei ihren Familien oder in meiner eigenen Wohnung.

    Auch in den anderen Familien habe ich oft erlebt, dass an Weihnachten eine beklemmende Ruhe herrschte, die mit vielen Tabus abgesichert wurde. Nur nicht dieses Thema ansprechen, nein und das auch nicht – am besten über das Essen, das Wetter oder etwas anderes Belangloses reden… Immer wieder der Druck sich einem heilen Bild anzupassen, das es so in Wirklichkeit nicht gab.

    Später in meinem Leben habe ich dann aber auch andere Erfahrungen gemacht. Die Erfahrung, welche Schönheit und verbindende Qualität es haben kann, mit Menschen in Wahrhaftigkeit und vielleicht sogar einer gemeinsamen Ausrichtung auf die Kräfte zusammen zu sein und die Erfahrung, wie wichtig und heilsam es ist, ganz in den Rückzug und die Stille zu gehen und wie aus dieser Stille dann die Energie und die Kreativität für Neues entstehen kann…

    Vor ein paar Jahren, nach fast 30 Jahren Familien-Weihnachts-Pause habe ich initiiert, dass sich meine Familie noch einmal an Weihnachten trifft. Jeder hat etwas Leckeres zu essen mitgebracht, es gab keine Geschenke und das Zusammensein war entspannt und schön. So schön, dass wir uns verabredet haben, das zu wiederholen.

    Und dieses Jahr war es so, dass wir einen Termin über Doodle vereinbart haben und meine Familie jetzt für Anfang Januar eingeladen ist – dann wenn Weihnachten rum ist…